Neuer Ratgeber: Drogenkonsum während der Lehrzeit
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Mit dem Beginn einer Lehrausbildung verändern sich für Jugendliche sehr viele Dinge von Grund auf. Man gewinnt ein Stück Selbstständigkeit, wächst langsam in seine Rolle innerhalb der Gesellschaft und übernimmt damit auch mehr Verantwortung für das eigene Verhalten. Zu den Problemen des Heranwachsens kommen in dieser sowieso schon krisenanfälligen Zeit auch noch die hohen Anforderungen des Berufes hinzu.
Mit dem neuen Leitfaden „Drogenkonsum während der Lehrzeit“ soll den Lehrlings¬verantwortlichen ein wichtiges und nützliches Instrument in die Hand gegeben werden, um oftmals tabuisierte Probleme richtig anzupacken. Nur wer die Verhaltensweisen von Jugendlichen die Drogen konsumieren kennt und diese Zeichen richtig zu deuten weiß, kann auch richtig reagieren. Sie möchte aber auch ermutigen, sich in einer entsprechend problematischen Situation Unterstützung und Beratung von außen zu holen, wenn man selbst nicht mehr weiterkommt.
Die Broschüre ist inhaltlich unter der Federführung von Mag. Karl-Heinz Marent (Leiter der Sekundärprävention SUPROMOBIL) als Gemeinschaftswerk von verschiedenen mit Suchtprophylaxe und Lehrlingsausbildung befassten Stellen geschaffen worden. Beteiligt waren die Stiftung Maria Ebene, der Sozialmedizinische Dienst der Caritas und die Lehrlingsstellen der Wirtschafts- und der Arbeiterkammer Vorarlberg.
Hochrisikophase für ausweichendes Verhalten
Um es aber gar nicht erst zum Missbrauch von legalen oder illegalen Drogen kommen zu lassen, befasst sich die Broschüre auch mit der Prävention. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit am Arbeitsplatz, sondern wirkt sich auch förderlich auf ein gutes Betriebsklima aus. Zu guter Letzt verbessert es auch das Image des Betriebes, wenn in diesem Bereich nach außen sichtbare Maßnahmen gesetzt werden.
„Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten und so genannten Rauschgiften sind, ob wir wollen oder nicht, weltweit zum größten Problem der heranwachsenden Menschen geworden“, so Univ-Prof. Dr. med. Reinhard Haller, Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene und einer der anerkannten Experten auf diesem Gebiet in Vorarlberg. Für Haller ist die Zeit der Lehrlingsausbildung eine Hochrisikophase für ausweichendes Verhalten, für das Experimentieren mit Drogen, für die gezielte Suche nach Rauscherlebnissen oder für das gesellige Trinken. „Wenngleich es nur bei einem kleinen Teil der Drogenprobierer tatsächlich zu anhaltendem Missbrauch oder gar zur Abhängigkeit kommt, liegt der Beginn von Drogenkarrieren meistens in jenem Lebensabschnitt, in welchen auch die Lehre fällt“.
Auch die Arbeiterkammer Vorarlberg sieht es als wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe an, sich dieser Thematik verstärkt zu widmen. Dazu AK-Präsident Hubert Hämmerle: „Der Konsum von Drogen hat auch Auswirkungen auf das Arbeitsleben und so sehen sich Dienstgeber und Ausbilder ständig mit neuen Situationen konfrontiert und stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Eine wichtige Rolle dabei spielt sicher auch der angstfreie Umgang bei auftretenden Krisen und Konflikten“. Die Arbeiterkammer sieht diese Broschüre als Auftakt für weitere Initiativen in diesem Bereich, so werden zum einen verstärkt Kontakte mit Berufsschulen geknüpft. Es werden ab dem Frühjahr 2007 aber auch Veranstaltungen und Workshops mit Ausbilderinnen bzw. Ausbildern sowie mit betroffenen Eltern durchgeführt.
Erwachsene als Vorbilder
Dr. Christoph Jenny von der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Vorarlberg sieht die Situation ähnlich: „ Gerade in der Anfangsphase einer ,Suchtkarriere’ kann viel verhindert werden, wenn auf den Menschen eingegangen wird. Wenn die Zeichen frühzeitig erkannt werden und gehandelt wird, können Ausbilder und Chefs großes Leid bei den Mitarbeiter¬innen und Mitarbeitern verhindern. Der Ratgeber bietet Unterstützung im Umgang mit suchtgefährdeten oder bereits abhängigen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern. Er bewahrt nicht zuletzt auch das Unternehmen vor finanziellem Schaden“.
Häufig konfrontiert mit den menschlichen Schicksalen hinter den Sucht-Statistiken ist insbesondere auch die Caritas Vorarlberg, deren Präsident Peter Klinger dazu sagt: „Das frühzeitige Erkennen von Substanz¬missbrauch und der richtige Umgang damit ist eine wichtige und herausfordernde Aufgabe für Führungskräfte und Vorgesetzte, letztlich auch eine soziale Aufgabe.“ Klinger nimmt aber auch die Erwachsenen in die Pflicht und macht auf die Vorbildfunktion aufmerksam, die mancher in völlig falscher Art und Weise wahrnimmt: „Der Umgang von Erwachsenen mit Suchtmitteln, allen voran Alkohol, soll weder tabuisiert, verharmlost oder übersehen werden, wobei es hier genauso Maßnahmen und eine seriöse und konsequente Vorgehensweise braucht“.
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