Erster Lehrling Vorarlbergs für zahnärztliche Fachassistenz
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Nach jahrelangem Fordern seitens der AK Vorarlberg und zähen Verhandlungen wird nun der erste Lehrling zur zahnärztlichen Fachassistentin ausgebildet.
Stefanie Spiegel wird ihre Ausbildung im Zahnmedizinischen Institut Dr. Huemer GmbH in Wolfurt absolvieren. Die AKtion hat sich mit dem Geschäftsführer der Krankenanstalt über die Beweggründe unterhalten.
AKtion: Was erwarten Sie von der neuen Möglichkeit Lehrlinge auszubilden?
Geschäftsführer Dr. Peter Hue-mer: Ich finde es sensationell, dass wir jetzt eine Chance haben, diesen Berufsstand in die Bedeutung zu überführen die er schon längst haben sollte.
Wird sich an der Ausbildung grundsätzlich etwas verändern?
Stefanie ist jetzt der erste Lehrling, sie sollte aber erst der Beginn einer riesigen Lawine sein die ihr nachfolgt. Die Anforderung an die Zahnmedizin werden zunehmend größer und das nicht nur auf der fachlichen Seite. Es kommen immer wieder neue Erkenntnisse, Materialien und Prozesse hinzu.Auf der anderen Seite haben wir einen aufgeklärten Patienten und deshalb benötigen wir in der zahnärztlichen Fachassistenz enorme soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen.
Wo liegen die Vorteile einer Lehre gegenüber des Anlernens?
Wenn ich heute als Vater meinen Kindern bei der Berufswahl beistehen müsste und es nur den Weg als Anlernkraft zu einem Zahnarzt gäbe, wäre ich sicher einem ziemlichen Konflikt ausgesetzt was ich ihnen raten soll. Nicht das ich falsch verstanden werde, in unserem Institut betreiben wir Zahnmedizin mit großer Leidenschaft und dies drückt sich auch in der Unternehmensphilosophie und der Art Mitarbeiter zu führen aus. Aber mit dieser Anlernsituation werden jungen Menschen praktisch eingesperrt. Wenn sie sich verändern wollen, haben sie ohne anerkannte Ausbildung nur in anderen Hilfstätigkeiten eine Chance. Das finde ich ethisch nicht korrekt, wir als Arbeitgeber haben die Verantwortung diesen Nachwuchskräften Möglichkeiten zu eröffnen.
Sie war einer der Mitbegründer der Assistentinnenschule in Vorarlberg, haben fast zwei Jahrzehnte selbst unterreichtet. Warum schwenken sie jetzt auf das neue Modell Lehre um?
Ich war gerne Lehrer an der Assistentinnenschule, ich fand und finde die akademisch-fachliche Ausbildung hier in Vorarlberg sehr gut. Aber das ist zu wenig, es kann nur ein Beginn sein. Wir organisieren in unserem Institut laufend Schulungsangebote für unsere Mitarbeiter/innen, von der Assistentin bis zum fertigen Zahnarzt. Und auch von universitär ausgebildeten Kräften verlangen wir ein Höchstmaß an Willen sich zu spezialisieren, um noch besser und professioneller für unsere Patienten da sein zu können.
Der Versuch läuft vorerst bis 2014, was passiert ihrer Meinung danach?
Ein Berufsimage muss sich über Jahre aufbauen. Blum ist da für mich ein Paradebeispiel, die Lehrausbildung bei Blum ist landauf landab und auch über die Grenzen hinweg bekannt. Weil man damit einfach etwas in der Hand hat und alle Möglichkeiten in diesem Bereich offenstehen. Ähnlich würde ich es mir für unseren Bereich wünschen, dann fällt es Eltern und Jugendlichen leichter sich Perspektiven für die Zukunft vorzustellen und zu sagen, ja, ich will zahnärztliche Fachassistentin werden, weil ich danach alle Chancen habe mich – wie auch immer – zu entfalten. Und ich bin überzeugt davon, dass es auch nach 2014 diese Lehrausbildung geben wird, weil sie letzten Endes Vorteile für alle bringt.
Das Zahnmedizinische Institut Dr. Huemer GmbH bildet als einzige Privatklinik in Vorarlberg eine zahnärztliche Fachassistentin aus, von den anderen Zahnärzten hat sich noch keiner beteiligt. Warum?
Ich glaube viele Zahnärzte sehen die große Vision hinter dieser Form der Ausbildung noch nicht. Vordergründig gibt es sicher ein paar Nachteile, die Auszubildenden sind bei einer Lehre länger in der Schule, es geht über drei Jahre, sie stehen also in dieser Zeit dem Zahnarzt mit weniger Arbeitszeit zur Verfügung. Der große Vorteil für das Institut liegt aber klar auf der Hand, wir bekommen wesentlich umfassender ausgebildete Mitarbeiter/innen. Sei es auf der fachlichen, der kaufmännischen oder der sozialen Ebene. Spätestens wenn sich die geburtenschwachen Jahrgänge in Zahlen materialisieren, werden vermutlich auch die Zahnärzte in Österreich Probleme bekommen, wenn nicht ein attraktives und zukunftsträchtiges Ausbildungsangebot wie die Lehre präsentiert werden kann.
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