Massive Kostensteigerung beim Nachhilfeunterricht im Vergleich zum Jahr 2007
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Eine von der AK Vorarlberg in Auftrag gegebene Umfrage, durchgeführt von Dr. Edwin Berndt, hat ernüchternde Zahlen geliefert. Nachhilfe ist, im Vergleich zu anderen Kostenfaktoren, in den letzten zwei Jahren überdurchschnittlich teuer geworden.
- Sparsamkeit steigt
- Politik steht in der Verantwortung
- Forderungen der AK Vorarlberg
- Zahlen und Fakten der Umfrage
- Tipps, damit es mit der Nachhilfe klappt
Dies und die angespannte Weltwirtschaftslage tragen vermutlich entscheidend dazu bei, dass immer weniger Eltern über die nötigen Mittel verfügen, ihren Kindern Nachhilfe zu finanzieren.
Wissensvermittlung
Fast jede vierte Familie nimmt bezahlte Nachhilfe in Anspruch, nimmt man jedoch die Gruppen unter die Lupe, sind Eltern mit Kindern an höheren Schulen deutlich stärker betroffen, dort ist es jeder dritte Haushalt. In Pflichtschulen halbiert sich dieser Wert, dort gibt nur noch jede sechste Familie Geld für die Wissensvermittlung aus, die eigentlich an den Schulen erfolgen sollte.
Auf die Frage, ob im vergangenen Jahr Geld für Nachhilfe ausgegeben wurde, antworteten 77 Prozent der Befragten mit nein (2006: 80 Prozent). 20 Prozent haben zumindest für ein Kind Geld in die Hand genommen (2006: 23 Prozent), wobei es bei kinderreichen Familien mit drei oder mehr Kindern zu einem eklatanten Abfall kommt, dort sind es lediglich noch zwei Prozent. Dies mag zum Teil aber auch damit zusammenhängen, dass in Mehrkindfamilien oftmals auch ältere Geschwister den jüngeren Nachhilfe erteilen.
zum SeitenanfangSparsamkeit steigt
Mit steigendem Alter der befragten Elternteile wächst auch die Notwendigkeit Nachhilfe in Anspruch zu nehmen, das auch deshalb, weil mit zunehmendem Alter auch der Anteil an Kindern steigt, die höhere Schulen besuchen. Stärker tangiert sind beispielsweise Arbeiter (26 Prozent), bei den Angestellten finden sich nur 20 Prozent, die Nachhilfe in Anspruch nehmen. Das ist besonders markant, weil Ersteren weniger Geld zur Verfügung steht und sie trotzdem öfter bezahlten Unterricht für ihre Kinder beanspruchen. Eine andere oder zusätzliche Erklärung für diesen Umstand ist aber auch die höhere Schulbildung der Eltern, die es ihnen ermöglicht, ihrem Sprössling selbst Nachhilfe zu erteilen.
Die Verteilung auf die verschiedenen Schulformen in der Umfragegruppe sieht wie folgt aus: rund 33 Prozent besuchen eine Volksschule, 63 Prozent eine Pflichtschule, in mittleren Schulen sind es 15 Prozent und höhere Schulen werden von 22 Prozent der Kinder besucht. Durchschnittlich wurden 2008 von den betroffenen Eltern 352 Euro für außerschulischen Unterricht ausgegeben (345 Euro 2006), gemessen am Index (hätten sich die Ausgaben also analog mit dem Lebenserhaltungskostenindexs entwickelt) müssten es allerdings mit 364 Euro deutlich mehr sein. Dieser unterdurchschnittliche Anteil für 2008 lässt befürchten, dass betroffene Menschen in hohem Maße sparen mussten und zwar dort, wo es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Für AK-Präsident Hämmerle zeigt diese Umfrage klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht. „Das im Bereich der Finanzierbarkeit von Nachhilfe Mankos bestehen, war absehbar. Dass die Schere jedoch so weit auseinander geht war für uns erschreckend. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Eltern an der Zukunft ihrer Kinder sparen müssen“, so Hämmerle.
Schulabbrecher
Man muss nicht sehr lange darüber nachdenken, was mit Heranwachsenden geschieht, wenn sie den schulischen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Sie brechen ihre Ausbildung ab.
Tatsache ist auch, Arbeitnehmer/innen ohne Abschluss, Hilfsarbeiter oder Anlernkräfte sind überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen und sehr viel schwerer zu vermitteln als gut ausgebildete Fachkräfte.
Laut Umfrage wurden 42 Prozent der Nachhilfe von Lehrern erteilt, die im Übrigen auch den höchsten durchschnittlichen Stundensatz dafür fordern (27 Euro). Nur noch die Hälfte davon wird von spezialisierten Einrichtungen (z. B. Schülerhilfe) abgedeckt, den Rest teilen Schüler, Studenten (welche durchschnittlich 18 Euro verlangen), Freunde und Verwandte (12 Euro) unter sich auf.
Insgesamt beträgt derzeit der durchschnittliche Stundensatz 20,5 Euro (2007: 19 Euro). Zieht man auch hier den Index als Bezugspunkt her, stellt man fest, die Stundensätze sind im Zweijahresvergleich stärker angestiegen als die Inflation, sogar um fast das Doppelte (9 statt 5,3 Prozent).
Ein gewichtiger Punkt ist auch, dass die Realeinkommen angesichts massiver Preissteigerungen (beispielsweise bei Lebensmitteln, insbesondere aber auch im Energiesektor) und stagnierender Löhne bzw. der kalten Progression geschrumpft sind.
Verantwortung
Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen gewählter Schulform des Kindes und der beruflichen Stellung der Eltern. Angestellte und Beamte, insbesondere Führungskräfte, weisen einen überdurchschnittlichen Anteil von Kindern in höheren Schulen (43 Prozent) auf, deutlich unter der Norm solche an Pflichtschulen (30 Prozent). Für Arbeiter/innen, besonders für Hilfsarbeiter/innen und angelernte Arbeitnehmer/innen trifft das Gegenteil zu, hier sind es 29 bzw. 46 Prozent.
„Wir können es uns nicht leisten, die Chancen der jetzt heranwachsenden Generation aufs Spiel zu setzen. Wer heute nicht umfassend und zielgerichtet ausgebildet wird, fällt morgen durch den Rost. Hier steht die Politik in der Verantwortung, bildungspolitische Akzente zu setzen – und zwar so schnell als irgend möglich. Modelle die heute eingeführt werden, greifen erst in einigen Jahren. Wir haben keine Zeit uns auszuruhen und zuzusehen, wie Österreich im internationalen Vergleich immer weniger konkurrenzfähiger wird“, so AK-Präsident Hubert Hämmerle.
Eine weitere Tatsache ist auch, dass die Wahl des Schultyps maßgeblich in der Verantwortung der Eltern liegt, die für die eigenen Kinder im hohen Maße jenen Schultypus bevorzugen, den sie selbst in der Vergangenheit absolviert haben.
Forderungen der AK Vorarlberg
Der Förder- bzw. Nachhilfebedarf bei Kindern wird immer größer. Aus diesem Grund ist dringender Handlungsbedarf in Richtung Ganztagsschule gegeben. Viele Eltern sind bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie schlicht überfordert. Man kann nicht von den Eltern verlangen, ein System mit Geld zu versorgen, welches sie im Nachhinein zwingt, noch mehr Geld zuzuschießen, nur weil diese Form von Unterricht nicht sicherstellt, dass die erforderlichen Lernziele auch erreicht werden. Aus diesem Grund fordert die AK Vorarlberg ein Schulmodell, das die Potentiale der Heranwachsenden ausschöpfen kann und teuren außerschulischen Unterricht vermeidet.
Der pädagogische Mehrwert der Ganztagsschule ist unumstritten und es würde den vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrern leichter gemacht, individueller zu betreuen, das Kind dort abzuholen wo es leistungsmäßig steht, ohne dabei den Klassenverband zu belasten. Auch würden Kinder aus bildungsfernen Familien endlich mit denselben Chancen ausgestattet wie jene, deren Eltern einen sehr viel ausgeprägteren Bildungshintergrund haben. Das wäre nicht nur gerecht, sondern könnte Österreich vor dem demographischen Kollaps retten.
Zahlen und Fakten der Umfrage
- Die Anzahl der Kinder pro Haushalt ist von 1,80 (2007) auf heuer 1,87 Kinder gestiegen. In 43 Prozent der Haushalte gibt es zwei Kinder.
- 77 Prozent der Eltern haben im vergangenen Jahr kein Geld für Nachhilfe ausgegeben (2006: 80 Prozent).
- In Pflichtschulen wurde von 17 Prozent der Eltern Geld für Nachhilfe ausgegeben, in höheren Schulen sind es mit 34 Prozent doppelt so viel.
- 27 Prozent der Eltern bis 45 Jahre bezahlen für Nachhilfe, nur 15 Prozent sind es bei den Erziehenden bis zu 29 Jahren.
- Von zwölf Prozent (2006 zehn Prozent) der Eltern wurden im Jahr 2008 mehr als 601 Euro für Förderunterricht ausgegeben. Bei bis zu 100 Euro ist die Zahl von zwölf auf zehn gesunken.
- Nahezu ein Drittel (29 Prozent, 2006: 23 Prozent) gibt zwischen 21 und 25 Euro pro Stunde für Nachhilfe aus. Zwischen sechs und zehn Euro wurden 2008 von neun Prozent (2006: 13 Prozent) ausgegeben.
- Ausgehend von der Grundgesamtheit von 247.000 machen die Erwerbspersonen 188.000 aus. 38 Prozent sind Betroffene (Eltern mit Schülern), das sind rund 71.000 Personen. 72 Prozent davon sind solche Eltern, die AK-zugehörig sind – rechnerisch etwa 51.000. Das entspricht rund 38 Prozent aller AK-Zugehörigen.
Tipps, damit es mit der Nachhilfe klappt
- Fragen Sie Freunde oder Bekannte nach guten Erfahrungen mit Nachhilfe-Instituten.
- Vergleichen Sie die Preise. Kurse mit einer größeren Anzahl an Unterrichtseinheiten sind meist günstiger. Aber es gibt auch gute Angebote mit wenigen Unterrichtseinheiten.
- Achten Sie beim Preis-Check auf die Dauer der Unterrichtseinheiten. Ein Block muss nicht immer 60 Minuten sein!
- Bei Gruppenunterricht gilt: Je weniger Schüler pro Gruppe, desto besser ist meist der Lernerfolg.
- Fragen Sie beim Gruppenunterricht auch nach dem Alter der Schüler in der Gruppe. Der Lernerfolg ist oft schlechter, wenn das Alter der Schüler oder die Lernstufe (speziell bei Sprachen) zu unterschiedlich sind.
- Vereinbaren Sie – wenn möglich – einzelne Probestunden bevor Ihr Kind längerfristige Kurse beginnt. Nur wenn sich das Kind wohl fühlt, sind gute Ergebnisse zu erwarten. Manche Institute bieten gratis ein bis zwei Probestunden an – nutzen Sie das Angebot!
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