Komplizierte Kurzarbeit

Ein Teil der nicht selten zur Sprücheklopferei neigenden Vorarlberger Manager ist geständig: Sie kapieren das österreichische Kurzarbeitsmodell nicht. Es ist ihnen zu kompliziert. Das ist bei so genannten „einfachen Managern“
ärgerlich, völlig inakzeptabel aber ist diese Begriffstutzigkeit bei führenden Funktionären. In Wahrheit ist nicht das Kurzarbeitszeitmodell zu kompliziert, sondern es macht nur nicht in allen Fällen wirklich Sinn, vor allem dann nicht, wenn das Unternehmen grundlegend schlecht dasteht.

Allerdings: Während österreichweit bereits über 45.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit sind, gehen einige Vorarlberger Industriebetriebe bewusst einen anderen Weg. Sie kündigen langjährige Mitarbeiter oder stellen sie vor die Wahl, Teilzeit bzw. Lohnkürzungen zu akzeptieren. Wer das nicht will, kann gehen. Zumeist dürfen sich die betroffenen Arbeitnehmer mit der Entscheidung lange Zeit lassen – in der Regel ein bis zwei Tage, und das nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit und vielen Lippenbekenntnissen der Unternehmer, wie wichtig ihnen treue Mitarbeiter sind.

Diese frommen Sprüche gelten offenbar genau so lange, wie die Gewinne explodieren. Sinkt allein schon die Aussicht auf steigende Rendite, zahlen die Arbeitnehmer sofort die Zeche. Das ist genau das Gegenteil des österreichischen Weges der letzten Jahrzehnte, der uns zu einem der reichsten Industrieländer gemacht hat. Nicht hire and fire, sondern zusammenstehen in Zeiten der Krise und Zurückhaltung bei Lohnabschlüssen in guten Zeiten – das war, vereinfacht gesagt, das Erfolgsmodell. War, denn nun pfeift ein anderer Wind – geblasen von Scharfmachern der Industriellenvereinigung, die angesichts der Krise glauben, den Arbeitnehmern zeigen zu müssen, wo die Macht liegt, bezeichnenderweise zumeist vorgetragen von bezahlten Managern, und das beileibe nicht nur von solchen mit deutschem Zungenschlag.

Im Gegensatz dazu haben wir viele Unternehmer in Vorarlberg, die auch in Zeiten der Krise zu ihren Mitarbeitern stehen und mit ihnen gemeinsam tragbare Lösungen finden. Diesen gilt unser Dank und unsere Wertschätzung.

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