„Schüler bedarfsgerecht und individuell betreuen!“

Die Nachhilfestudie, welche die AK Vorarlberg im letzten Jahr durchführen ließ, hat hohe Wellen geschlagen. Eine aktuelle Befragung hat wenig Neues ergeben, für Präsident Hämmerle das Vorhandensein von Problemen jedoch bestätigt.

AKtion: Was für Schlüsse ziehen Sie aus der neu vorgelegten Befragung zur Situation rund um die Nachhilfe?

Hubert Hämmerle: Ich denke man muss diese Untersuchung aus zwei verschiedenen Perspektiven sehen. Zum Einen befinden wir uns in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, viele mussten im letzten Jahr an allen Ecken und Enden sparen und den Rotstift ansetzen. Deshalb hat es mich schon ein wenig überrascht, dass gerade im Bereich des Nachhilfe- und Förderunterrichts mehr Geld von unseren Mitgliedern investiert wurde. Sie scheinen sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bildung ein maßgeblicher Faktor für den künftigen Erfolg ihrer Kinder ist.

Und die zweite Perspektive?

Andererseits wundert es mich immer mehr, dass eine so breitflächige Nachhilfe überhaupt nötig ist. Mehr als ein Viertel all unserer Mitglieder finanziert ihren Kindern zusätzlichen Unterricht. Meiner Auffassung nach sollte die Institution Schule, die wir sowieso mit unseren Steuern tragen, den Kindern den Wissensstand vermitteln der nötig ist um das Schuljahr positiv abzuschließen. Wenn das nicht der Fall ist, muss das System Schule so optimiert werden, dass das eben möglich ist. Es ist für mich nicht nachvollziehbar ein – im Verhältnis zu vergleichbaren EU-Staaten – sehr teures Schulsystem mit Geld zu versorgen um dann noch mehr Geld in Nachhilfelehrer zu investieren.

Und wer trägt die Schuld daran?

Es ist immer leichter nach Schuldigen zu suchen als nach Lösungen. Es liegt mir fern in den Chor derer einzustimmen, die alles an den Lehrerinnen und Lehrern oder der Ministerin festmachen wollen. Wir sollten aufhören das gesamte System Schule madig zu machen und Änderungen durchführen wo sie nötig sind.

Warum oder woran scheitert das Ihrer Meinung nach?

Weil viele Entscheidungsträger in Legislaturperioden denken. Verbesserungen machen sich aber nicht nach vier oder fünf Jahren bemerkbar, es braucht Mut und Durchhaltevermögen. Außerdem sollten einige Bildungspolitiker ein wenig farbenblinder werden, das täte der Sache gut.

Welches System wäre denn für Sie am sinnvollsten?

Die Frage ist vielleicht etwas zu kurzsichtig. Vielmehr sollten die Bedürfnisse der Schüler und Eltern im Vordergrund stehen. Es wird sicher keine Variante geben, die allen das Optimum bieten kann. Manche Eltern wollen oder müssen Beruf und Familie miteinander vereinbaren, diese werden vermutlich eher Ganztagesmodelle brauchen um auf dem Arbeitsmarkt flexibel sein zu können. Gleiches gilt sicher auch für Alleinerziehende, die von dieser Problematik noch stärker betroffen sind. Es wird aber auch immer Familien geben, bei denen sich die Frau zuhause um den Nachwuchs kümmert, mit ihm lernt und Hausaufgaben macht. Da wären Ganztagsmodelle unangebracht und vielleicht nur in Ausnahmefällen oder bei Bedarf nötig.

Aber ein Modell wird es wohl werden müssen wenn man Zweigleisigkeiten vermeiden will?

Ich kann dem Wunsch nach verschränkten und individuellen Ganztagessystemen sehr viel abgewinnen, den Landesrat Sigi Stemer im letzten Bildungsausschuss der AK vorgebracht hat. Bedarfsgerechte und individuelle Betreuung der Schülerinnen und Schüler, wenn sie etwa Probleme in Englisch oder einem anderen Fach haben und die Hilfe von spezialisierten Pädagogen brauchen. Andererseits sollte es aber auch die Möglichkeit des Lernens zuhause geben, wenn das den Eltern wichtig ist und sie dies wünschen.

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.